Jehovas Zeugen: Offizielle Website der Wachtturm-Gesellschaft

Anfang Glaubensansichten Zukunft Medizin Themen Kontakt Publikationen Sprachen

Bekommen wir genügend Schlaf?

In dieser Reihe:
Schlaf — Luxus oder Notwendigkeit?
Besser schlafen
Schläfrigkeitstest

Verwandte Themen:
Habe ich Schlafschulden?
Warum mehr zu Fuß gehen?
Autounfälle — wie ist es um meine Sicherheit bestellt?

SCHLAF
Luxus oder Notwendigkeit?

MANCHE halten Schlafen für Zeitverschwendung. Sie sind lieber Tag für Tag beruflich und privat voll eingespannt und schlafen nur, wenn sie vor Müdigkeit nicht anders können. Andere dagegen wälzen sich nächtelang bis in den Morgen schlaflos im Bett; sie würden alles geben, um einmal richtig durchschlafen zu können.

Warum finden einige kaum Schlaf, wohingegen andere verzweifelt versuchen, sich wach zu halten? Ist Schlafen Luxus oder eine Notwendigkeit? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir verstehen, was während des Schlafs vor sich geht.

Die Geheimnisse des Einschlafens

Was im Einzelnen bewirkt, dass jemandes Bewusstsein ausgeschaltet wird und er in den Schlaf sinkt, ist immer noch rätselhaft. Nach gängiger Forschermeinung ist Schlaf jedoch ein komplexer, vom Gehirn gesteuerter Prozess, der einer „inneren Uhr“ gehorcht, die im 24-Stunden-Takt läuft.

Die Produktion von Wachstumshormonen erreicht während des Schlafs ihren Höhepunkt

Mit zunehmendem Alter ändern sich unsere Schlafgewohnheiten. Ein Neugeborenes schläft täglich etwa 18 Stunden, verteilt auf häufige, kürzere Schlafperioden. Nach Angaben von Schlafspezialisten benötigen manche Erwachsene offenbar nur 3 Stunden Schlaf am Tag, wogegen andere bis zu 10 Stunden brauchen.

Wie neuere Untersuchungen zeigen, erklären Veränderungen der inneren Uhr auch, warum einige Jugendliche morgens so schlecht aus dem Bett kommen. Offenbar wird die innere Uhr in der Pubertät verstellt, sodass Jugendliche sowohl später schlafen gehen als auch später aufstehen wollen. Diese Verschiebung im Schlafrhythmus ist normal und verschwindet bei älteren Jugendlichen meist wieder.

Unsere innere Uhr wird von chemischen Substanzen gesteuert. Viele dieser Substanzen sind bereits bekannt, wie etwa das Hormon Melatonin, das vermutlich Schläfrigkeit auslöst. Melatonin wird im Gehirn produziert und verlangsamt nach Ansicht einiger Wissenschaftler vor dem Einschlafen den Stoffwechsel des Körpers. Wenn Melatonin ausgeschüttet wird, sinkt die Körpertemperatur, die Blutversorgung des Gehirns wird reduziert und der Muskeltonus lässt langsam nach — die Muskulatur erschlafft. Der Betreffende versinkt im Rätselreich des Schlafs. Was geschieht als Nächstes?

„Das nährendste Gericht“

Etwa zwei Stunden nach dem Einschlafen setzen rasche, ruckartige Augenbewegungen ein. Seit Wissenschaftlern dieses Phänomen bekannt ist, unterteilen sie den Schlaf in 2 hauptsächliche Phasen: den REM-Schlaf und Non-REM-Schlaf (die Abkürzung REM steht für rapid eye movement, schnelle Augenbewegung). Der Non-REM-Schlaf wiederum kann in 4 Phasen unterschiedlich tiefen Schlafs unterteilt werden. In einer gut durchgeschlafenen Nacht wechseln sich REM-Phasen und Phasen des Non-REM-Schlafs mehrmals ab.

 

Die Schlafphasen

Schlaf-
phasen

Schlafdauer (Stunden)

Vereinfachte Darstellung

 

Wir träumen meist während des REM-Schlafs. Dann entspannt sich auch die Muskulatur besonders gründlich und man wacht körperlich erfrischt auf. Außerdem sind manche Forscher der Ansicht, dass neu erworbene Informationen in dieser Phase des Schlafs im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden.

Während des Tiefschlafs (Non-REM-Schlafphasen 3 und 4) sinken Blutdruck und Pulsfrequenz, wodurch sich das Gefäßsystem erholt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt wird. Außerdem erreicht bei Jugendlichen die Produktion von Wachstumshormonen während des Non-REM-Schlafs ihr Maximum; manche Jugendliche produzieren nachts bis zu 50-mal so viel Wachstumshormone wie tagsüber.

Schlaf wirkt sich anscheinend auch auf unseren Appetit aus. Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, ist Schlaf mit den Worten Shakespeares „das nährendste Gericht beim Fest des Lebens“. Das menschliche Gehirn interpretiert Schlafmangel als Nahrungsmangel. Während des Schlafs schüttet unser Organismus Leptin aus, das Hormon, das unserem Körper normalerweise signalisiert, dass wir genug gegessen haben. Bleiben wir länger wach, als wir sollten, produziert unser Körper weniger Leptin, und uns gelüstet nach zusätzlichen Kohlenhydraten. Schlafmangel kann also dazu führen, dass man mehr Kohlenhydrate aufnimmt, was wiederum Übergewicht nach sich ziehen kann. (Siehe den Kasten „Ein Schläfchen am Nachmittag“.)

Ein Schläfchen am Nachmittag

Wer kennt nicht das Gefühl scheinbar unüberwindlicher Müdigkeit nach dem Mittagessen? Das muss noch kein Hinweis auf Schlafmangel sein. Da die Körpertemperatur am frühen Nachmittag absinkt, ist es normal, sich um diese Zeit schläfrig zu fühlen. Überdies haben Wissenschaftler vor kurzem ein Protein namens Orexin (Hypokretin) entdeckt, das im Gehirn produziert wird und uns wach hält. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Essen und Orexin?

Wenn wir essen, produziert der Körper Leptin, um ein Sättigungsgefühl hervorzurufen. Leptin hemmt jedoch die Produktion von Orexin. Anders ausgedrückt: Je mehr Leptin im Gehirn vorhanden ist, desto weniger Orexin steht zur Verfügung und desto schläfriger fühlt man sich. Das mag erklären, warum man in einigen Ländern Siesta hält, das heißt den Arbeitstag unterbricht, um nach dem Mittagessen ein wenig zu schlafen.

 

Für die Gesundheit von Körper und Geist ist genügend Schlaf ein Muss

 

Wichtig für die Gesundheit

Das ist jedoch nicht alles. Schlaf erleichtert es unserem Körper, im Zuge des Stoffwechsels freie Radikale umzusetzen — Moleküle, von denen es heißt, sie würden die Zellalterung beeinflussen und sogar Krebs verursachen. Bei einer kürzlich an der Universität Chicago durchgeführten Studie durften 11 junge Männer an 6 Tagen hintereinander jeweils nur 4 Stunden schlafen. Am Ende dieses Zeitraums leisteten ihre Körperzellen nur noch so viel wie die von 60-Jährigen und ihr Insulinspiegel war mit dem von Diabetikern vergleichbar. Schlafmangel wirkt sich sogar auf die Produktion weißer Blutkörperchen sowie des Hormons Cortisol aus. Die Folge ist eine gesteigerte Anfälligkeit für Infektionen und Kreislauferkrankungen.

Schlaf ist für Körper und Geist zweifellos wichtig. Mit den Worten des Begründers des ersten Schlaflabors an der Universität Stanford, William Dement, „ist Schlaf anscheinend der wichtigste Indikator für die Lebenserwartung eines Menschen“. Deborah Suchecki, die am Zentrum für Schlafstudien in São Paulo (Brasilien) forscht, kommentiert: „Wenn die Leute wüssten, was sich in einem übermüdeten Körper abspielt, würden sie Schlaf nicht so schnell als Zeitverschwendung oder als etwas für Faulpelze abtun.“ (Siehe den Kasten „Auswirkungen von Schlafmangel“.)

Ist Schlaf jedoch immer erholsam? Warum fühlen sich manche selbst dann nicht ausgeruht, wenn sie eine Nacht durchgeschlafen haben? Der nächste Artikel hilft, die wichtigsten Schlafstörungen zu erkennen, und erklärt, was man tun kann, um wieder gut zu schlafen.

 

Auswirkungen von Schlafmangel

Kurzfristige Auswirkungen
  • Schläfrigkeit
  • Plötzliche Stimmungsschwankungen
  • Nachlassendes Kurzzeitgedächtnis
  • Unfähigkeit, Aktivitäten zu planen oder auszuführen
  • Konzentrationsmangel
Langfristige Auswirkungen
  • Fettleibigkeit
  • Vorzeitiges Altern
  • Anhaltende starke Müdigkeit
  • Anfälligkeit für Infektionen, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Störungen
  • Chronische Gedächtnisstörungen
 
Erschien im Erwachet!  vom 22. März 2003 ObenNächster Artikel

Anfang | Glaubensansichten | Zukunft | Medizin | Themen | Kontakt | Publikationen | Sprachen | Verzeichnis

Copyright © 2005 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania. All rights reserved.