Offizielle Website der Zeugen Jehovas

Startseite Glaubensansichten Zukunft Medizin Themen Kontakt Publikationen Sprachen
Drei Frauen im Gespräch

Wie man
echte Freundschaften
aufbaut

 

Ein Wort an Eltern

Die ersten Lektionen über Freundschaft lernt der Mensch, wie bei so vielen anderen Dingen im Leben auch, in seinem Elternhaus. Im Idealfall findet ein kleines Kind fast alles, was es an menschlicher Nähe braucht, in seinem häuslichen Umfeld. Selbst dann wird sein Denken, Fühlen und Verhalten stark durch Kontakte zur Außenwelt geprägt. Man denke nur daran, wie schnell viele Einwandererkinder ausschließlich durch den Kontakt zu anderen Kindern eine neue Sprache lernen.

Eltern haben die besondere Möglichkeit, ihren Kindern zu helfen, sich die richtigen Freunde zu suchen. Kinder und Heranwachsende sind dazu ohne elterliche Schützenhilfe noch nicht völlig in der Lage. Es gibt da allerdings ein Problem. Viele Jugendliche fühlen sich Gleichaltrigen weit enger verbunden als ihren Eltern oder sonst jemand Älterem.

Warum halten sich denn Jugendliche lieber an gleichaltrige Freunde als an ihre Eltern? Nach Meinung einiger Experten liegt das mit daran, dass viele Eltern sich nicht richtig im Klaren über ihre eigene moralische Autorität sind. Eltern haben vor Gott die Verantwortung, auf ihre Kinder einzugehen, und dürfen den guten Draht zu ihnen nicht verlieren (Epheser 6:1-4). Aber wie? Der Familientherapeut Dr. Ron Taffel hat viel mit Eltern zu tun, die im Umgang mit ihren heranwachsenden Kindern ratlos sind. Er schreibt, dass sich viele „bei der Kindererziehung nach Modewellen richten, die von den Medien groß herausgebracht werden“, anstatt ihren Kindern einfach Eltern zu sein. Warum schwimmen sie auf diesen Modewellen mit? „Weil sie ihre eigenen Kinder nicht gut genug kennen, um einen direkten Bezug zu ihnen zu haben.“

Ein Vater mit seinem Sohn und dessen Freund

So muss es aber nicht sein. Eltern müssen begreifen, dass ihre Kinder sich bei anderen das holen werden, was sie zu Hause nicht bekommen. Und was ist das? „Sie brauchen, was junge Menschen zu allen Zeiten gebraucht haben: fürsorgliche Erziehung, Anerkennung, Sicherheit, klare Regeln und Anforderungen sowie das Gefühl, dazuzugehören“, so Dr. Taffel. „Das tragische Manko unserer Zeit ist, dass diese grundlegenden Bedürfnisse Jugendlicher von Erwachsenen meist nicht gestillt werden und Jugendliche sich in ihrer eigenen Familie nicht wirklich zu Hause fühlen.“

Wie können Eltern ihren Kindern in Sachen Freundschaft helfen? Der erste Schritt besteht darin, den eigenen Lebensstil und das eigene Freundschaftsverhalten zu überdenken. Eltern sollten sich fragen: Verfolgen wir und unsere Freunde selbstlose, edle Ziele und leben wir dementsprechend? Haben geistige Interessen den Vorrang, nicht materialistische? „Taten sprechen lauter als Worte. Und Kinder bekommen todsicher mit, wie ihre Eltern, deren Freunde und die Kinder der Freunde eingestellt sind und sich verhalten“, sagt Douglas, ein christlicher Ältester, der selbst Vater ist.

Sogar in der Tierwelt schützen viele Eltern ihre Jungen instinktiv und oft leidenschaftlich vor jedem, der ihnen gefährlich werden könnte. Ein Bärenexperte sagt: „Es ist schon sprichwörtlich geworden, wie die Bärenmutter ihre Jungen vor allen möglichen Gefahren beschützt.“ Sollten menschliche Eltern da weniger tun? Ruben sagt: „Meine Eltern haben es echt so gemacht, wie es in der Bibel steht: Sie ,unterredeten sich‘ mit mir ,anhand der Schriften‘. Sie halfen mir zu verstehen, warum es besser war, bestimmten Umgang zu meiden. Meine erste Reaktion war: ,Na toll, dann kann ich überhaupt niemand zum Freund haben!‘ Aber die Zeit hat ihnen Recht gegeben und dank ihrer Geduld bin ich geschützt gewesen.“

Eltern sollten ihre Kinder auch mit anderen in Kontakt bringen, die ein gutes Beispiel sind und die ihnen helfen können, sich die richtigen Ziele zu setzen. Francis, ein lebensfroher, erfolgreicher junger Mann, erinnert sich an seine Jugend: „Meine Mutter merkte, dass wir jungen Leute immer unter uns blieben. Also lud sie ausgesprochen aktive Vollzeitdiener zu uns ein. So konnten wir sie direkt bei uns daheim näher kennen lernen und uns mit ihnen anfreunden.“ Durch solches elterliche Bemühen kann aus dem häuslichen Umfeld der Kinder ein Nährboden werden, auf dem gute Freundschaften keimen, wachsen und gedeihen.

 
 

Erschien im Erwachet!  vom 8. Dezember 2004

ObenVorheriger Artikel